Es wird...

Hinter der Tür

Beinahe wäre sie dran vorbeigelaufen. Die unscheinbarste aller Türen, nur ein paar Bretter, noch nicht einmal eine Klinke, stand einen Spalt breit offen. Sie schlüpfte hindurch, mit einem Klick war die Tür verschlossen. Die Schritte ihrer Verfolger wurden erst lauter, dann wieder leiser, bis es still war.

Jetzt erst sah sie sich um. Ein schmaler Gang zwischen zwei Häusern, Kopfsteinpflaster, über ihr ein dunkles Fenster. Ein Streifen Licht von der Straßenlaterne, sonst fast schwarzer Schatten. Die Tür war jetzt zu, ihr Weg führte weiter, nicht zurück.

Nach ein paar vorsichtigen Schritten öffnete sich der Gang auf einen großen Hinterhof, an allen Seiten von Häusern eingerahmt. Sie wartete lange, lauschte und versuchte, mit den Augen die Schatten zu durchdringen. Ein strenger Geruch löste unangenehme Vorstellungen aus.

Etwas berührte ihre Beine, fast hätte sie geschrien. Eine Katze. Sonst nichts.

Langsam gewöhnte sie sich an die Dunkelheit. Graue Hausrückseiten, blinde Fenster. In den Pflasterfugen wuchs Gras. In einer Ecke standen Müllcontainer. Kein Geräusch, absolute Stille. Langsam tastete sie sich an der Hauswand entlang, schmutziges Mauerwerk, abblätternder Putz, eine Hintertür.

Die Katze lief ein Stück vor ihr, als wollte sie den Weg weisen. Noch ein Haus, noch eine Tür, sie wollte in keins dieser grauen Gebäude, sie wollte hier raus. Weg von diesem Gestank, der mit jedem Schritt intensiver wurde. Die Mülltonnen. Sie wollte nicht wissen, was da drin war, im Zustand fortgeschrittener Verwesung.

Hinter den Mülltonnen eine große Einfahrt, dunkel, vom Haus überbaut. Hier war der Ausgang.

Nicht ganz, hier ging es in den nächsten Hinterhof. Bevor sie hindurchgehen konnte, hörte sie Männerstimmen und Schritte. „Wir haben alle Ausgänge besetzt, jetzt warte doch ab“, konnte sie deutlich verstehen. „Schon gut“, ein mürrisches Brummen, fast neben ihr. Die Schritte entfernten sich wieder.

Sie war gefangen, die Katze verschwand in die Freiheit.